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26.03.2021

Gute Heilungschancen für Darmkrebs bei Früherkennung

Online-Abendvisite informierte über ein allgemein wichtiges Thema


PD. Dr. med. Mazen Juratli, Ph.D. befasste sich in einer Zoom-Konferenz eingehend mit der Darmkrebs-Thematik. (Foto: KulturForumSteinfurt)

„Vorsorgeuntersuchungen sind das A und O im Kampf gegen Darmkrebs“, betonte PD. Dr. med. Mazen Juratli, Ph.D., in einer weiteren Online-Folge der Vortragsreihe „Abendvisite“. „Bei frühzeitiger Diagnose ist Darmkrebs heilbar“, sagte der Oberarzt für Allgemein- und Viszeralchirurgie am UKM Marienhospital Steinfurt sowie Oberarzt am Universitätsklinikum Münster in der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Transplantationschirurgie. Karzinome im Dickdarm und Mastdarm bilden mit 62000 Fällen pro Jahr die am häufigsten auftretenden Tumorerkrankungen.

Sofern kein erhöhtes Risiko etwa durch Erbfaktoren vorliegt, sollte jeder ab 50 Jahren zur Darmkrebsvorsorge gehen. Es gibt Stuhl-Tests, mit denen okkultes Blut im Stuhl nachgewiesen wird, der sicherste Weg ist jedoch eine Darmspiegelung (Koloskopie). Kommt die Krankheit bereits in der Familie vor ist es ratsam, bereits vor dem 50. Lebensjahr zu untersuchen. „Sind schon die Eltern betroffen, sollten ihre Kinder bereits zehn Jahre vor dem Lebensalter, an dem Vater oder Mutter erkrankte, zur Vorsorgeuntersuchung gehen“, empfiehlt Dr. Juratli.
Als Risikofaktoren gelten vor allem Bewegungsarmut, Übergewicht, falsche Ernährungsgewohnheiten, Alkohol- und Tabakkonsum. „Wer täglich rohes Fleisch isst, erhöht sein Darmkrebsrisiko um bis zu 20 Prozent“, warnt der Experte. Darüber hinaus sind 20 Prozent der Patienten Raucher, wie die Statistik verrät.

Darmpolypen bergen ein besonderes Risiko, denn zu 90 Prozent entwickeln sich aus ihnen im Laufe der Zeit Dickdarmkarzinome. Allerdings machen nur 20 Prozent der Polypen ernsthafte Probleme, was von Größe und Form abhängt. Erkannt werden sie bei der Koloskopie, mittels so genannter „Schlingenresektion“ lassen sie sich in der Regel problemlos entfernen. Die gute Nachricht: 90 Prozent aller Dickdarmkarzinome kann man heilen. „Das hängt jedoch davon ab, wie früh man sie entdeckt“, hebt der Arzt hervor und plädiert vehement für rechtzeitige Vorsorge. Ein Problem ist, dass Tumore über lange Zeit keine Beschwerden verursachen. „Keiner sollte Hämorrhoiden als alleinige Diagnose bei Blut im Stuhl akzeptieren“, warnt daher Dr. Juratli. Bei unerklärlichen Veränderungen des Stuhls wie beispielsweise Verstopfung, Durchfällen, Bleistiftstühlen, Blutabgängen, eventuell gepaart mit Bauchschmerzen, Leistungsabfall und Müdigkeit ist Vorsicht geboten.

In einem zertifizierten Darmzentrum wie es das UKM Marienhospital bietet, erfahren Patienten fachbereichsübergreifende Behandlung. Hier gehen Diagnostik, Therapie, Nachsorge und Rehabilitation Hand in Hand. Darmkrebs entwickelt sich im Regelfall relativ langsam, oft über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Mit dem Hausarzt sollten je nach Sachlage individuell sinnvolle Intervalle einer Vorsorgeuntersuchung abgesprochen werden.