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29.01.2021

„Dicke Beine“ haben vielfältige Ursachen

Abendvisite-Vortrag beleuchtete eingehend Diagnose- und Therapieverfahren


Dr. med. Bernd Krabbe

Breitgefächerte Informationen rund um das „geschwollene Bein“ gab eine weitere Folge der Online-Vortragsveranstaltung „Abendvisite“. Die Kooperation des UKM Marienhospitals Steinfurt, der Familienbildungsstätte und der VHS im Kulturforum erreicht seit einem halben Jahr auch im virtuellen Raum zahlreiches Publikum. Schwere und müde Beine, geschwollene Knöchel oder auch Kribbeln können Probleme mit den Beingefäßen signalisieren.

„Beinschwellung ist ein Symptom, nicht die eigentliche Erkrankung“, betont Dr. med. Bernd Krabbe, Chefarzt für Innere Medizin/Herz-Kreislauferkrankungen/Angiologie. Die Diagnose  ist eine detektivische Arbeit, da Ursachen vielfältig sein können und nahezu das gesamte Spektrum der Medizin abdecken. „Wichtig für den Arzt ist zu wissen, ob es sich um akute oder bereits länger bestehende Beschwerden handelt“, betont Krabbe. Bedeutsam ist auch die Information, ob nur ein Bein angeschwollen ist oder ob beide betroffen sind sowie das Auftreten von Schmerzen. Eine akute Thrombose muss auf Grund der Gefahr einer Lungenarterienembolie als Notfall gesehen und umgehend behandelt werden. Mittels einer Ultraschalluntersuchung lässt sich zuverlässig abklären, ob es sich um eine Thrombose handelt. Symptome sind möglicherweise Überwärmung, Schmerzen, Schwellung oder auch Luftnot und Husten.

Ein weiteres Krankheitsbild im Zusammenhang einer Schwellung kann die Wundrose, Fachbegriff „Erysipel“, sein. Dabei dringen Bakterien bei Hautverletzungen in das Bein, zu den Symptomen gehört die scharf begrenzte, flächige Rötung des betroffenen Beinabschnittes. Bemerkenswert ist, dass eine Wundrose häufig mit schwerem Krankheitsgefühl, Fieber und Schüttelfrost beginnt. Weiteres Thema waren Krampfadern, zu denen die Veranlagung oft vererbt wird und die bereits als „Volkskrankheit“ bezeichnet werden können sowie Lymphödeme.

Dr. med. Thomas Wentzler, Chefarzt für Gefäßchirurgie am UKM Marienhospital Steinfurt, gab einen Überblick über gängige Behandlungsmethoden nach Diagnose geschwollener Beine. „Häufigste Ursache sind Krampfadern, chronische Venenleiden, Gerinnsel im tiefen Venensystem (Thrombosen) oder im oberflächlichen Venensystem, die zu Venenentzündungen führen. Nach eingehendem Vorgespräch tastet der Arzt die Beine ab und überprüft mit moderner Diagnosetechnik die Funktionstüchtigkeit der Venen. Zu den konservativen Behandlungsmethoden gehören unter anderem Kompressionstherapie in Form entsprechender Verbände und Strümpfe sowie je nach Erkrankung auch Bewegungstherapie. Chirurgisch können Krampfadern heute mittels einer „Stripping-Operation“ gezogen werden. Auch Verödung durch Sklerotherapie oder Venenverschluss durch Katheterverfahren werden praktiziert. Die Möglichkeiten reichen je nach Diagnose bis hin zu Hautverpflanzung und Venenklappenrekonstruktion. Wentzler ging darüber hinaus auf weitere Leiden wie Kniekehlenzyste, Lymphödem, Entzündung sowie Knochen- und Bindegewebserkrankungen ein.