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27.09.2019

Krebsdiagnose stellt das Leben auf den Kopf

Expertinnen gaben wertvolle Hinweise für die Bewältigung der Krankheit


Claudia Holt-Greiwe (links) und Dr. Ann-Kathrin Spellmann beleuchteten das Thema Krebs aus psychoonkologischer Sicht. (Bild: privat)

 

Warum gerade ich? Habe ich ungesund gelebt, was habe ich nur falsch gemacht? Die Diagnose „Krebs“ stürzt Betroffene oft in ein tiefes Loch, da nicht nur starke körperliche, sondern auch seelische Belastungen verarbeitet werden müssen. „Selbstvorwürfe sind ganz normal, wenn auch nicht berechtigt“, sagt Dr. Ann-Kathrin Spellmann von der Klinik für Psychosomatik und Psychotherapie im UKM Marienhospital Steinfurt. Gemeinsam mit Claudia Holt-Greiwe von der Krebsberatungsstelle Münster referierte sie in einer weiteren Folge der Vortragsreihe „Abendvisite“ über psychische Aspekte einer Krebserkrankung. Während Spellmann die Problematik aus medizinischer Sicht darstellte, informierte Holt-Greiwe über Informations- und Hilfsangebote für krebskranke Menschen und deren Angehörige, die von der Psychoonkologie über Sozialleistungen bis hin zur Vermittlung praktischer Hilfen reichen.


„Jede Art von Krebs entsteht durch ein Zusammenspiel von zufällig im Erbgut entstandenen Mutationen, Umwelteinflüssen und erblicher Veranlagung“, machte Spellmann deutlich. Dabei spiele eine familiäre Vorbelastung nur in fünf bis zehn Prozent aller Krebsfälle eine Rolle. Mit höherem Alter steigt das Risiko. „Der Einfluss, den der Lebenswandel auf die Entwicklung einer Krebskrankheit hat, variiert je nach Krebsart stark“, betont die Ärztin. Risikofaktoren können allerdings Rauchen oder Alkoholkonsum sein, auch Übergewicht, Bewegungsmangel und Weiteres. Zu den „Krebsmythen“, die angeblich für eine Erkrankung verantwortlich sind, gehören das Trinken aus Plastikflaschen, Süssstoffe, Handystrahlung oder auch der Verzehr von Essen aus der Mikrowelle. „Ein Zusammenhang ist wissenschaftlich nicht nachgewiesen“, erläutert die Expertin. Ebenso steht sie Theorien skeptisch gegenüber, die auf Grund psychischer Faktoren von „Krebspersönlichkeiten“ ausgehen, die für Krebserkrankungen besonders anfällig sein sollen. „Auch das ist empirisch nicht haltbar“, stellt Spellmann fest.


„Die Krebsberatungsstelle des Tumor-Netzwerkes im Münsterland (TiM) e.V. bietet  psychosoziale Unterstützung in allen Phasen der Erkrankung“, betont Holt-Greiwe. Das Spektrum möglicher Probleme und Belastungen, die bei Betroffenen nach der Diagnose auftreten, ist groß. Die Beratungsstelle, die Außensprechstunden zum Beispiel im UKM Marienhospital Steinfurt anbietet, lässt Patienten mit ihren vielfältigen Sorgen nicht allein. Auch Angehörige werden umfassend beraten. Wie geht man mit belastenden Gefühlen um? Wer hilft bei finanziellen Problemen, die aus der Krankheit erwachsen? Welche Selbsthilfegruppen oder Psychotherapeuten können helfen? Diese und viele weitere Fragen werden in den kostenlosen Beratungen beantwortet.


Für die Außensprechstunden in Borghorst ist eine Anmeldung erforderlich und möglich unter 0251-62562010. In der Krebsberatungsstelle Münster gibt es auch offene Sprechzeiten, in denen eine persönliche Beratung auch ohne Voranmeldung möglich ist.

www.krebsberatung-muenster.de