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27.02.2019

Sprachauffälligkeiten mit dem Lesebilderbuch auf der Spur

Petra Zander wandelt auch auf den Spuren des Filmemachens


Petra Zander wird im Kino Steinfurt von Dr. Peter Krevert interviewt. (Foto: Rainer Nix)

 

 

BURGSTEINFURT: Logopädie - ist das nicht das mit den Füßen oder sind das nicht die Therapeuten, die kleinen Kinder das Sprechen beibringen? Vielfach wird das Berufsbild von gewissen Mythen geprägt, die mal ins rechte Licht gerückt werden sollten. Petra Zander, seit 2012 selbständige Logopädin in Steinfurt, sorgte am Donnerstagabend für Klarheit. Sie war im Kino Steinfurt Gast beim „Ortstermin“, der beliebten Kooperationsveranstaltung von Kultur Forum  und Werbegemeinschaft Burgsteinfurt. Erstmalig: Nach dem Interview wurde passend zum Thema ein Spielfilm gezeigt: „The Kings Speech“. Passend zum Thema ging es darum, wie König George der VI. von England einst sein Stotter-Problem in den Griff bekam. Unter dem Titel „Stadtbekannt“ interviewte Moderator Dr. Peter Krevert bereits einen Automobilfan, einen Taxiunternehmer und einen ehemaligen Richter.

„Als Logopädin bin ich Sprach-, Sprech-, Stimm-, Schluck- und Hörtherapeut für alle Altersgruppen“, so die Expertin. Es ist ein weites Feld, auf dem diese Berufsgruppe unterwegs ist. Zirka 20 Prozent der Kindergartenkinder weisen Auffälligkeiten beim Spracherwerb auf, so etwa bei der Grammatik, dem Wortschatz und oft bei der korrekten Lautbildung. Der Ortstermins-Gast verfasste ein Lesebilderbuch zur Erkennung von Sprachauffälligkeiten. Damit können Eltern unauffällig überprüfen, ob ihr Kind alle Laute und Lautverbindungen korrekt ausspricht. Auch Menschen mit Hörstörungen werden von Logopäden therapiert. Spezialisiert hat sich Zander auf neurodegenerative Erkrankungen wie beispielsweise Multiple Sklerose oder Parkinson, wo es zu Atem-, Artikulations-, Stimm- und Schluckstörungen kommen kann.

„Nur wenige wissen, dass Petra Zander sich auch im Bereich des Films engagiert und kürzlich noch an der Produktion des Spielfilms ‚Eises Kälte‘ in Altenberge mitwirkte“, erläuterte Krevert. „Meine Idee war, Sprechtraining mit Filmdarstellern zu machen“, so die Logopädin. Im Oktober 2016 stand der erste Drehtag des Mystery-Thrillers unter Regie von Roland Busch auf dem Programm. „Wie schon zuvor war meine Aufgabe auch bei diesem Projekt das Sprechtraining, diesmal auch auf plattdeutsch“, so Zander. Der Aufgabenbereich erweiterte sich schnell. „Ich habe Drehorte gesucht und gefunden, Drehgenehmigungen eingeholt, für die Requisiten Museen halb ausgeräumt und einen Schreiner fast zur Verzweiflung getrieben“, erinnert sie sich. Der sollte nämlich innerhalb von drei Tagen einen speziellen Sarg bauen, gerade so wie er vor Jahrhunderten aussah. Geht nicht gibt’s eben nicht beim Film. Die „Frau mit dem bunten Mantel“, wie die Logopädin am Set genannt wurde wusste in vielen Fällen Rat. Unter anderem auch, wo es Kaffee und zu Essen gab sowie natürlich, wer wann wo und in welchem Outfit sein musste. „Eises Kälte“, der mit jeder Menge Lokalkolorit auf zwei Zeitebenen spielt, feierte im November 2018 Premiere und wurde gleich von nahezu 2000 Menschen gesehen. Seit mehr als zwei Wochen ist er mit englischen Untertiteln versehen und wird auf nationalen sowie internationalen Filmfestivals präsentiert.  

Von Rainer Nix